Über die Verschmelzung von Mensch und Maschine

Haben Sie schon einmal einen Cyborg persönlich getroffen? Leben Sie vielleicht gar mit einem zusammen? Was lange ins Reich des Science-Fiction gehörte, rückt immer mehr in den Bereich des Möglichen: die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Maschine, die Kombination von Leib und Prothese. Human meets Digital im klassischen Sinn.

Was im ersten Moment furchteinflössend klingt, kann und könnte den Menschen ganz neue Möglichkeiten bieten. Denn: dank modernster Technik können Schwächen des menschlichen Körpers optimiert werden. Besonders für Menschen mit einer Behinderung (stark eingeschränktes Hör- oder Sehvermögen, fehlen eines Armes, etc.) kann moderne Technik die funktionellen Möglichkeiten des Körpers und somit die Lebensqualität enorm verbessern. Doch bereits gibt es auch Menschen ohne Behinderung, die sich dafür entscheiden , dem eigenen Körper ein “Upgrade” zu verpassen.

Mit modernster Technik den eigenen Körper “pimpen“

Für Menschen, die so genanntes «Bodyhacking» betreiben, gibt es einen Begriff: sie nennen sich «Cyborgs». So verändern sie beispielsweise mit Technik-Implantaten ihre Sinneswahrnehmung. Einer der bekanntesten Cyborgs ist der Brite Neil Harbisson. Der Avantgarde-Künstler und Cyborg-Aktivist ist der erste Mensch auf der Welt mit einer implantierten Antenne im Schädel und ausserdem der erste offiziell von einer Regierung anerkannte Cyborg. Der 30-Jährige kann keine Farben sehen – Achromatopsie heisst diese Störung. Deshalb hat Harbisson nach einem alternativen Weg gesucht, Farben wahrzunehmen. Seine Antenne benutzt hörbare Schwingungen in seinem Schädel, um ihm Informationen zu geben – dazu gehören Messungen von elektromagnetischer Strahlung, Telefonanrufe, Musik sowie Videos oder Bilder, die in Klänge übersetzt werden. Seine Wi-Fi-Antenne erlaubt ihm sogar, Signale und Daten von Satelliten zu empfangen.


Bild über http://www.harbisson.com

Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt zu sein: Seine Partnerin Moon Ribas trägt Ohrringe mit Infrarotsensoren, die vibrieren, wenn sie Bewegung wahrnehmen. Werden die Sensorstäbchen nach hinten ausgerichtet, nimmt Ribas wahr, wenn sich jemand von hinten nähert. Auch Magnete im Finger als Vorstufe sind eine Form von Bodyhacking.  Implantatsträger spüren elektromagnetische Felder zum Beispiel bei Mikrowellengeräten, Stromleitungen oder Transformatoren. Ihre Finger kribbeln dann, während andere Menschen nichts spüren.

So werden die Sinne des Menschen mithilfe von implantierbarer Technik erweitert oder verschaffen dem Träger gleich neue Sinne.

Medizinische Robotik: Die Hightech-Hand für Menschen mit Handicap

Die «iLimb Ultra Revolution» ist eine der funktionalsten Handprothesen der Welt. Diese myoelektrische Handprothese bietet eine Auswahl an Griffmustern und Gesten, die über die Fähigkeiten anderer Handprothesen hinausreicht. Sie verbessert die funktionellen Möglichkeiten und die Lebensqualität des Nutzers enorm (Quelle: ww.michelfornasier.com) Menschen wie Michel Fornasier oder Bertolt Meyer sind Träger einer modernen High-Tech-Prothese, die sie im Alltag unterstützt. Doch wie kriegt man die Steuerungsimpluse vom Gehirn zur Hand? Weder Fornasier noch Meyer bezeichnen sich als Cyborgs. «Bei dem Begriff Cyborg denkt man an eine Enthumanisierung, es schwingt etwas kaltes und bedrohliches mit. Deshalb kann ich mich mit dieser Bezeichnung nicht identifizieren», beschreibt Meyer.

Bild über http://www.josschmid.com/portraits

Gut möglich, dass künstliche Körperteile bald besser sein werden als die natürlichen. Darum wünscht sich Bertolt Meyer, dass die technische Aufrüstung des Menschen mehr thematisiert wird, sodass diese technischen Möglichkeiten eine Bühne erhalten und der Zugang zu solche Technologien für alle Menschen möglich wird.

Die ethische Diskussion darüber, ob und wie der Mensch seinen Körper mit implantierbarer Technik erweitern soll, wird uns also mit Bestimmtheit über die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte begleiten.