Mischen Algorithmen bald den Kunstmarkt auf?

Um Algorithmen kommen wir im Zeitalter des Internets nicht mehr herum – sie begegnen uns beim Onlineshopping oder beim Musikhören. Aber was haben Algorithmen auf dem Kunstmarkt verloren? Wir gehen dieser Frage anhand von zwei Praxisbeispielen nach. Die Antwort ist durchaus überraschend.

Wer regelmässig im Internet surft, der ist auch schon einem Algorithmus begegnet – meist, ohne es aktiv zu bemerken, zum Beispiel  beim Onlineshopping. Der Computer merkt sich die Sucheingabe und schlägt einem ähnliche Produkte vor. Ein weiteres Beispiel ist das  Musikhören über Streamingdienste. Auch da merkt sich der Computer im Hintergrund was man gerne für Musik hört und schlägt einem verwandte Titel vor oder stellt gar ganze Playlist zusammen. Das macht soweit Sinn. Aber wie mischen Algorithmen denn bitte den Kunstmarkt auf?

Ein Rembrandt aus dem 3D Drucker

In Amsterdam wurde dieses Jahr ein neues Rembrandt Gemälde vorgestellt und dies, obwohl der Maler schon 1669 gestorben ist. Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in einem  Algorithmus. Gemalt wurde es es nicht vom  niederländische Altmeister , sondern von einem Computer. Forscher der Technischen Universität Delft haben sich mit dem Rembrandthuis und Microsoft zusammengetan, und mittels eines  Computers die Bilder von Rembrandt auf Farben, Formen und Techniken analysieren und ihn aufgrund dessen ein neues Gemälde erstellen zu lassen. Das Resultat ist erstaunlich. Das Bild ist vereint alles, was für Rembrandt typisch ist.. Die Maschine hat das Bild nicht tatsächlich gemalt. Damit selbst die Pinselstriche, die durch übereinandergelegte Farbschichten entstehen, wurde das Bild mit einem 3D Drucker ausgedruckt . So wird das Bild dem echten Rembrandt zum Verwechseln ähnlich. Algorithmen machen es also möglich, das Gesamtwerk eines bereits verstorbenen Künstlers beliebig zu erweitern.

Website «The Next Rembrandt»: Ein Video zeigt die Entstehung des Bildes

Eine Olympiade für kreative Computer

Der amerikanische Internetunternehmer Andrew Conru ist ein Verfechter erster Stunde, wenn es um Roboter-Kunst geht. Er hat einen Wettbewerb für Kunst machende Algorithmen ins Leben gerufen. Der Wettbewerbspreis, dotiert mit 100.000 $ Preisgelder zeigt, wie ernst es Conru ist. Es handelt sich also nicht bloss um eine Spassveranstaltung, sondern um einen internationalen Wettbewerb, der 2018 bereits zum dritten Mal stattfinden wird.

Zugelassen sind Roboter jeglicher Art. Die einzige Bedingung ist, dass die Farbe durch eine oder mehrere physische Bürsten, die durch ein Robotersystem gesteuert werden, aufgetragen wird. Tintenstrahl-ähnliche Matrixdrucker sind nicht zum Wettbewerb zugelassen. Den Robotern steht frei, ob sie auf ein bestehendes Referenzbild zurückgreifen, oder ein  neues Werk erschaffen.

Für die Malerei als Medium hat sich Conru entschieden, weil es eine urmenschliche Fähigkeit ist, sich mit Bildern auszudrücken. Von alten Höhlenmalereien bis hin zu abstrakter Kunst sind körperlich erzeugte Bilder ein universeller Weg für Menschen, zu kommunizieren. Die notwendigen Fähigkeiten, um effektiv zu malen, sind intrinsisch menschlich anmutige Bewegungen, Sinn für Berührung, Druck, Farbe und Material. Mit seinem Wettbewerb will er auf lustvolle Art und Weise Mensch und Technik näher zusammen bringen – Human meets Digital.