Hej Sverige, grüezi Schwiiz!

Schweiz und Schweden haben nicht nur gemeinsam, dass sie im Ausland oft miteinander verwechselt werden. Unsere Länder verbindet eine lange Beziehung.

Die seit über 200 Jahren bestehende freundschaftliche Beziehung zwischen der Schweiz und Schweden hatte einen holprigen, wenn nicht gar unschönen Start. Während des dreissigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 trafen die alte Eidgenossenschaft und das kriegsbeteiligte Schweden einige Male aufeinander. Es gipfelte in einer rund zehnjährigen Besetzung des Fricktals. Noch heute erinnert ein Glockenspiel in Rheinfelden an die Sage, wonach ein Streich die belagerte und ausgehungerte Stadtbevölkerung Rheinfeldens befreit haben soll. So habe sich ein geschickter Schneider in das Fell eines Ziegenbocks eingenäht und sei daraufhin meckernd auf der Stadtmauer herumspaziert. Die Schweden gaben daraufhin die Belagerung auf, da die Bewohner offenbar genügend Nahrungsmittel hatten, um einer langen Besatzung standhalten zu können, wenn ein fetter Ziegenbock frei herumlaufen kann. Ob dies den Fakten entspricht?

Glockenspiel_Rumpel_Rheinfelden
Das Glockenspiel in Rheinfelden erinnert an eine Sage während der schwedischen Besetzung im 17. Jahrhundert.

 

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Schwamm drüber! Die Schweiz ist längst kein Söldnerland mehr und auch die Schweden leben in Frieden mit den Franzosen. Nach dem Wiener Kongress 1817 anerkannte das ebenfalls neutrale Schweden die Schweizer Neutralität. Seither sind die Beziehungen zwischen den beiden neutralen Staaten sehr freundschaftlich, solide und prosperierend. Schweden unterhält seit 1867 ein Konsulat in Genf und richtete 1915 in Bern eine ständige diplomatische Gesandtschaft ein. 1920 eröffnete die Schweiz in Stockholm eine Botschaft. «Die Schweiz und Schweden verfolgen ähnliche aussenpolitische Ziele, etwa in den Bereichen Menschenrechte, Friedensförderung, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz. Die Zusammenarbeit in multilateralen Gremien, vor allem in der UNO, ist von besonderer Bedeutung», schreibt das EDA auf ihrer Website über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Schweden ist heute der wichtigste Handels- und Investitionspartner der Schweiz im nordischen Raum. Jährlich werden zwischen den Ländern Waren im Wert von ca. drei Milliarden Franken umgesetzt. Rund hundert Schweizer Unternehmen sind in Schweden ansässig und beschäftigen etwa 18’400 Menschen. Auch privat zieht es die Schweizerinnen und Schweizer nach Schweden. Heute leben rund 6000 Auslandschweizerinnen und Schweizer in Schweden, während knapp 8000 Schwedinnen und Schweden in der Schweiz niedergelassen sind.

Die beiden Länder verfügen über viele soziologische und demographische Gemeinsamkeiten. So hat Schweden nur rund 1,5 Millionen Einwohner/innen mehr als die Schweiz, auch wenn es rund 11 Mal grösser ist. Auch das Bruttoinlandsprodukt ist ähnlich hoch: Während die Schweiz rund 680 Milliarden Dollar umsetzt, sind es in Schweden etwa 540 Milliarden. Sogar bei den Erfindungen sind sich die Schweden und Schweizer ähnlicher, als man vermuten würde: So wurde der Reissverschluss in Schweden erfunden, der Klettverschluss hingegen in der Schweiz.

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Auch Forschungsinstitute beider Länder arbeiten im Rahmen der EU-Forschungsprogramme erfolgreich zusammen, zum Beispiel die Technische Hochschule Lausanne (École Polytechnique Fédérale de Lausanne, EPFL) mit der Technischen Universität Chalmers/Göteborg. Die Schweiz ist ausserdem Gründungsmitglied der europäischen Forschungsinfrastruktur European Spallation Source ERIC (ESS) im schwedischen Lund.

Bildquellen: tourismus-rheinfelden.ch/stadtrundgang