Nochmals 5 von 15 UNESCO-Welterbestätten in Schweden (Teil 2)

Während die Schweiz «nur» 12 UNESCO-Welterbestätten hat, gibt es in Schweden deren 15. Wir stellen sie in drei Teilen vor.

193 Staaten haben die UN-Konvention ratifiziert, um besonders wichtige Stätten für die Nachwelt zu schützen. Heute umfasst diese Liste 1121 Stätten in 167 Ländern. Es werden nur Gebäude, Plätze, Denkmäler oder Naturlandschaften aufgenommen, die verschiedene Kriterien erfüllen. Zum Beispiel müssen sie historisch authentisch sein und von internationaler Bedeutung. Denn die Verkörperung der Werte dieser Stätten sollen zukünftigen Generationen helfen, die Entwicklung und Geschichte der Menschheit zu verstehen. Insofern helfen uns die UNESCO-Welterbestätten Schwedens, die Kultur und die Geschichte des Landes besser zu verstehen.

1. Stockholmer Waldfriedhof (Skogskykogården)
Der Waldfriedhof Stockholms ist noch nicht einmal hundert Jahre alt und bereits ein UNESCO Weltkulturerbe?! Gemäss der UNESCO-Kommission ist Skogskyrkogården «ein bedeutendes Beispiel unseres Jahrhunderts für die Verschmelzung von Architektur und Kulturlandschaft zu einem Friedhof. Skogskyrkogården hatte grossen Einfluss auf die Gestaltung von Begräbnisstätten in der ganzen Welt». Entstanden ist der wohl schönste Friedhof Skandinaviens aus der Not heraus. Zwischen 1880 und 1910 verdoppelte sich die Einwohnerzahl Stockholms. Mit dem rasanten Wachstum stieg auch der Bedarf an Grabstätten. 1915 wurde der erste internationale Architektenwettbewerb Schwedens ausgeschrieben, der die Gestaltung eines Friedhofs auf einem Waldstück im südlichen Teil Stockholms vorsah, den die Stadt gekauft hat. Die Jugendfreunde sowie späteren Star-Architekten Gunnar Asplund und Sigurd Lewerentz gewannen den Wettbewerb, indem sie die Grabstätten würdevoll in die Natur integrierten – ganz im Sinne der nordischen Mythologie. 23 Jahre lang dauerten die Arbeiten an den verschiedenen Gebäuden, Kapellen und der Parkgestaltung. Seit 1994 gehört dieser wunderschöne Park zum UNESCO-Welterbe.

© Wikimedia Commons / Holger Ellgaard

2. Visby auf Gotland
Visby auf der Ostseeinsel Gotland gleicht einer Filmkulisse für eine Mittelalter-Saga. Hier erzählt jeder Meter ein Stück Geschichte. Die Hafenstadt hat sich bis heute ihre historische Authentizität bewahren können – insbesondere die 3,6 Kilometer lange Stadtmauer mit den Kirchen-Ruinen, die von blutigen Auseinandersetzungen zeugen, die um die Hoheit dieses wichtigen Handelsplatzes stattfanden. Das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Visby ist der «Pulverturm» («Kruttornet»), der um 1151 angelegt wurde. Zu den Highlights der Hansestadt zählt der Dom, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. Nicht zum UNESCO-Welterbe gehört der Freizeitpark Kneippbyn, wo unter anderem das Originalgebäude der Villa Kunterbunt aus den Pippi-Langstrumpf-Filmen steht. Die Aussenaufnahmen der Filmreihe wurden auf der Insel Gotland gedreht.

Visby
© Wikimedia Commons / Zeglarz

3. Kirchenbezirk Gammelstad – die Kirchstadt bei Luleå
Schweden ist gross, sehr gross. Das schmälert nicht das Bedürfnis nach seelischer Fürsorge. Doch die Distanzen, um dem sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche beizuwohnen, waren für viele zu gross. So entstanden in Schweden rund 70 Kirchdörfer, kleine Häuser – meist mit Stallungen – die von Mitgliedern der Kirchgemeinde als Übernachtungsmöglichkeit beim Kirchgang genutzt wurden. Dabei erledigten die frommen Kirchbesucher/innen gleich mehrere Dinge miteinander – zum Beispiel Marktgänge, Besuche, Handel etc. Das grösste, bis heute erhaltene Kirchendorf, liegt in Gammelstad in der Nähe von Luleå in Nordschweden. Das Einzugsgebiet dieser Kirchgemeinde umfasste rund 90’000 km², also mehr als die Fläche von Österreich. Die imposante Steinkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Das 1996 zum Weltkulturerbe erklärte Kirchendorf bestand um 1817 aus 484 Kirchenhütten, 359 Pferdeställen und anderen Gebäuden.

Gammelstad_Nederluleå_church_October_2011
© Wikipedia / Lars Falkdalen Lindahl / CC BY-SA 3.
Gammelstad_Visitor_Centre
© Wikipedia / Gammelstad1 / CC BY-SA 4.0

4. Laponia – die Arktische Kulturlandschaft in Schwedisch-Lappland
Hier ist die Welt noch in ihrer ursprünglichen Ordnung. Das als Laponia bekannte Gebiet ist das grösste Wildnisgebiet Westeuropas und erstreckt sich 9’400 Quadratkilometer (ungefähr die Grösse Korsikas) über Nordschweden. Kein Wunder, ist diese Region vor allem bei Natur-Enthusiasten sehr beliebt. Was sie hier zu sehen bekommen, ist einzigartig: Steinadler, Polarfüchse, Braunbären, Luchse und viele andere Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Gekennzeichnet ist die Landschaft von grenzenlosen Wäldern, offenen Gebirgsplateaus, weitläufigen Sümpfen sowie hohen Bergen.

Laponia_Padjelantaleden
© Wikipedia / Christoph Strässler / CC BY-SA 2.0

5. Der Marinehafen Karlskrona
Was die Alpenfestung für die Schweiz ist, ist der Marinehafen Karlskrona für Schweden. Erbaut im 17. Jahrhundert wurde er zum Hauptstützpunkt der Schwedischen Marine. Strategisch günstig gelegen auf einer Insel-Bucht in der Ostsee, wurde die Anlage in den letzten Jahrhunderten stetig ausgebaut. Heute ist der Marinehafen ein wichtiges Zeitzeugnis der Marine-Flotten im Wandel der Jahrhunderte. Rund eine Viertelmillion Menschen besuchen jährlich Schwedens Marinemuseum in Karlskrona. Der Höhepunkt der Ausstellung: die U-Boot-Halle mit der HMS Neptun im Mittelpunkt. Ein Muss für alle Nautiker! Seit 1998 gehört der Marinehafen zu den UNESCO-Welterbestätten Schwedens.

Karlskrona
© Wikimedia Commons / Boatbuilderl / CC BY-SA 3.0

Quelle Titelbild: © Wikimedia Commons / Daniel Schneller