Fantastiska Stopp: Die Wakker-Preisträgerin Baden 2020

Baden ist im Wandel. Die Entwicklung von der Industriestadt zur Wohn-, Kultur- und Bäderstadt ist so gelungen, dass die Limmatstadt mit dem Wakkerpreis 2020 ausgezeichnet wurde.

Seit 1972 zeichnet der Schweizer Heimatschutz Gemeinden mit dem Wakkerpreis aus. Kriterien dafür sind nicht nur die Erhaltung eines Ortsbildes, sondern auch die Integration zeitgenössischer Gesichtspunkte in bestehende Bausubstanzen und -strukturen. Der Stadt Baden sei es gelungen, den öffentlichen Raum qualitativ hochstehend zu gestalten und nachhaltig aufzuwerten, urteilt die Wakkerpreis-Jury.

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So wurde erfolgreich zusammengeführt, was jahrzehntelang unvereinbar schien: Industrie-, Gewerbe-, Wohn-, Kultur- und Erholungsraum. Stoisch harrten die hübsche Altstadt, die Lägern und das Bäderquartier dem Wandel der Zeit; auch sie erwachen nun im Zuge der Stadterneuerung zu neuem, altem Glanz. Mittlerweile zählt Baden 20’000 Einwohnerinnen und Einwohner, fast doppelt so viele wie noch 1950.

150 Jahre lang war Baden vor allem eine Industriestadt. Massgeblich für die Industrialisierung war 1847 die Eröffnung der ersten schweizerischen Eisenbahnstrecke zwischen Baden und Zürich, die als Spanisch-Brötli-Bahn in die Geschichtsbücher einging. Unter dem Schlossberg entstand dabei auch der erste Eisenbahntunnel der Schweiz.

Die Arbeiter verlassen das Fabrikgelände (1916). Das Portierhaus in der Mitte sowie das Verwaltungsgebäude rechts existieren heute noch. © Historisches Archiv ABB Schweiz, N.1.1.9555

Mit der BBC (Brown, Boveri & Cie) liess sich 1891 ein Unternehmen mit Zukunft nieder. Der Elektrotechnik-Betrieb stieg zum Weltkonzern auf und sollte mit zwischenzeitlich über 10’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum grössten Arbeitgeber der Region werden. Doch gegen Ende des 20. Jahrhunderts nahm die Bedeutung von Baden als Industriestandort mehr und mehr ab – die Fabrikhallen verwaisten.

Aus dem ehemaligen Industriequartier, dem BBC-Fabrikareal in Baden Nord, ist in den letzten Jahren ein durchmischtes Quartier entstanden. Neben dem Kultur- und Kongresszentrum Trafo mit Kino, Shops, Gym etc. wurde die ehemals «verbotene Stadt» zum beliebten Wohn- und Kulturquartier, in dem es neben den Clubs Nordportal und Werkk auch Foodfestivals und andere Aktivitäten gibt.

Wer mehr über die sehr interessante Industriegeschichte Badens erfahren will, dem sei der Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss empfohlen. Dieser Wanderweg führt an den industriegeschichtlichen Bauten vorbei. Bei den Objekten stehen Tafeln, die Informationen zur Geschichte, Bedeutung und heutigen Nutzung enthalten.

Dieser Weg ist sinnbildlich für den Wandel von Baden: Aus der Industriestadt an der Limmat ist wieder eine Lebens-, Kultur- und Bäderstadt geworden. Letzteres war sie bereits 2000 Jahre zuvor. Mit einer Gesamtmineralisation von 4450 mg/l ist die älteste bekannte Thermalquelle auch die mineralreichste des Landes. Das wussten bereits die Römer, die in Aquae Helveticae die ersten Thermalbäder errichteten. Die 18 heissen Quellen wurden unter den Habsburgern zu einem buchstäblichen Hotspot. Das Wasser der Heilquellen ist durchschnittlich 47 Grad warm und besitzt einen besonders hohen Anteil an Calcium und Sulfaten. Im Bäderquartier, das abgesetzt von der Altstadt liegt, entstanden über die Jahrhunderte immer mehr Gebäude. Mit der Spanisch-Brötli-Bahn Mitte des 19. Jahrhunderts erwachte der Kur-Tourismus zur Hochblüte. In der Folge entstanden prächtige Gebäude, wie der Kursaal oder das legendäre Grand-Hotel, das mit seiner Grandezza die internationale Prominenz jener Tage anzog. Doch mit den Weltkriegen und dem Ausbleiben der Gäste verblasste der Glanz, die Renovation des Belle-Epoque-Hotels wäre zu teuer geworden. Es wurde 1944 von der Schweizer Armee gesprengt.

Grand-Hotel-Baden
Dort, wo einst das Grand-Hotel stand, entsteht aktuell die von Stararchitekt Mario Botta entworfene neue Bäderstadt, die mit ihrem 160 m langen Hauptkörper zum Wahrzeichen Badens werden wird. Zentrum des Komplexes wird die Wellness-Therme «Fourtyseven» sein. Die Zahl 47 steht für die Temperatur des Wassers. Die Eröffnung ist geplant auf Spätherbst 2021.


Doch Baden könnte genauso gut auch Wandern heissen. Denn das lässt es sich hier ebenso gut wie baden. Rund um die Stadt Baden finden sich zauberhafte Routen wie die Gratwanderung über die Lägern bis nach Zürich oder die Chänzeli-Tour, eine Panorama-Wanderung zu den vier Aussichtspunkten mit sensationellem Blick auf Baden oder eine Expedition in den Urwald des Teufelskellers.

Welches sind die 10 Hotspots von Baden? Wir haben eine Insiderin gefragt: Rahel Afsharian, Mitarbeiterin im Kulturmanagement Club Nordportal, Baden.

    1. Frischluftbar Triebguet direkt an der Limmat
    2. Schloss Schartenfels mit Traumpanorama und Restaurant
    3. Das Bäderquartier, insbesondere der Spa im Hotel Limmathof
    4. Das Restaurant Atrium im Hotel Blume
    5. Die Limmatpromenade
    6. Bar/Café Kajüte
    7. Das Casino
    8. Der Stadtteil «Halde»
    9. Club Nordportal
    10. Die Altstadt am Wochenende oder am Abend mit den vielen Bars und Outdoor-Partys
Frischluftbar Triebguet direkt an der Limmat
Hotel_Blume_Atrium
Das Hotel mit dem wohl schönstem Atrium, © Atrium Hotel Restaurant Blume
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Ab Herbst wieder offen: die «Thermalbank» an der Limmatpromenade, © Stadt Baden

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